Das amerikanische Musical Der Mann von La Mancha (Man of La Mancha) wurde zum
ersten Mal am 22. November 1965 in ANTA Washington Square Theater auf
Broadway in New York aufgeführt.
Der Weg dorthin war gar nicht einfach und dauerte einige Jahre.
Ursprünglich ist Man of La Mancha als Fernsehbearbeitung entstanden, die von
Dale Wasserman für CBS´s Dupont Show of the Month program geschrieben wurde.
Der Originaltitel wurde auf Ich, Don Quijote (I, Don Quixote) verändert, um ein
besseres Verständnis beim Publikum zu erreichen. Das Stück wurde so
erfolgreich, dass D. Wasserman nach einigen Jahren zu einer Musicalbearbeitung
aufgefordert wurde. Dafür wurde ein Team aus dem Librettisten D. Wasserman, dem
Komponisten M. Leigh und dem Songwriter W. H. Auden zusammengestellt. Der
Songwriter wurde aber wegen anderer Kunstvorstellungen durch J. Darion ersetzt.
Das Musical wurde in mehr als 50 Ländern und in mehr als
30 Sprachen gespielt. 1965 bis 1971 gab es am Broadway
2328 Wiederholungen. Es hat auch ein paar Prestigepreise erhalten –
inklusive Tony Award für das beste Musical des Jahres (1966). Seit seiner
Premiere im Jahr 1965 kehrte es fünfmal zum Broadway zurück, zum letzten
Mal in der Saison 2002–2003. 1972 wurde es mit Peter O´Toole (als
Don Quijote) und Sophia Loren (als Aldonza) verfilmt.
Und warum gerade Don Quijote? Es war ein Zufall. Während Dale
Wasserman´s Besuches in Madrid, hieß es in einer Zeitung, dass der Grund,
warum er dort sei, seine Vorbereitung auf die Dramatisierung dieses Romans ist.
Das hat ihn wirklich belustigt, da er den Roman nie zuvor gelesen hat. Es war
eine Herausforderung. Er hat den Roman gelesen und das Thema sprach ihn wirklich
an. Die Persönlichkeit Cervantes – des Schauspielers, Dramatikers,
Schriftstellers und Dichters fand er so interessant, dass er aus ihm die
Hauptrolle des Erzählers des Musicals gemacht hat. Gouverneur: „Cervantes!
Ich habe das Gefühl, dass Don Quijote und Don Miguel Brüder sind.“
Cervantes: „Mit Gottes Hilfe – beide sind Männer aus La Mancha.“
Das Musical wurde ursprünglich als ein Einakter geschrieben und es war Wassermans Wunsch, dass es ohne Pause aufgeführt wird.
Dem Autor Dale Wasserman ist es gelungen, einen genialen Konzept zu
gestalten: sein Cervantes verteidigt sich vor anderen Häftlingen mit Hilfe
einer Inszenierung, oder vielleicht vielmehr einer spontanen Dramatisierung
seines großen Romans. Cervantes hat sein ganzes Leben an das Theater geglaubt,
er schrieb viele Theaterstücke und hat sie auch produziert. Doch, mit Worten
einer seinen Figuren, war er „ein elender Dichter“ ohne Invention. Erst sein
Roman über einen verrückten Ritter machte ihn berühmt und unsterblich. Und
hier im Gefängnis verteidigt er das Theater mit dem Roman und mit dem Roman den
Sinn des Theaters. Das ist doch eine wunderbare Idee. Ein Teil der Verteidigung
ist auch die Einziehung von den Zuschauern ins Stück! Cervantes tritt vor das
schlechteste mögliche Publikum vor – eine unfreundliche Zunft von Dieben,
Mördern und Prostituierten – und stellt sie in die Rollen seiner Romanfiguren
ein. Seine Mithäftlinge, die ihn urteilen sollen, sind auf einmal
Amateurspieler und vielleicht auch Teilnehmer einer sozialen Dramatotherapie.
Die Art, auf die Cervantes die dramatischen Situationen hervorruft und leitet,
ähnelt sich den modernen Methoden, die das Spielen einer Rolle zu einer
Personalentwicklung den Beteiligten benutzt.
Das ganze Stück basiert auf der Theatertradition, spielt mit den Motiven
des Renaissancetheaters, entstehendem mit wenigen äußeren Mittel, auf
einer leeren Szene, ohne irgendwelchen Dekorationen. Wir betrachten Quijotes
Geschichte als ein Theater im Theater (z.B. Shakespeare hat diese Technik in
Hamlet benutzt), die Handlungslinien flechten durch, tauchen unerwartet auf, es
fehlen auch nicht fast choreographisch stilisierte Szenen und wunderschöne
Lieder. Es handelt sich dabei auch nicht um ein klassisches Musical, da hier das
gesprochene Wort eine sehr wichtige Rolle spielt, was selbstverständlich auch
verschiedene Forderungen auf die Spieler legt. Die ganze Konzeption verlangt
fast ununterbrochene Anwesenheit aller Spieler auf der Szene, weil man aus dem
Knast doch nicht verschwinden kann. Die Arbeit des Bühnenbilders war, viele
verschiedenen Löcher und Verstecke auszudenken, damit die Schauspieler einfach
verschwinden und dann wieder in die Aktion auftauchen können. Jede der Figuren
lebt auf der Bühne sogar ein Doppelleben – als Häftling und als eine Figur
aus Cervantes Roman. Und Autoren spielen mit der Parallele des bürgerlichen und
des theatralischen Lebens die ganze Zeit – wir sehen also den Mensch so wie,
er ist und dazu noch auf der Bühne, Leben, wie es sein könnte: Cervantes –
Quijote, der Diener – Sancho, der Herzog – Carrasco, der Gouverneur – ein
milder Wirt. Die einzige Ausnahme ist Aldonza – wir erfahren nichts aus ihrem
Leben direkt, vielleicht nur aus ihren Einstellungen, Ansichten. Dabei ist es
gerade Aldonza, die durch die größte Umwandlung durchgeht…
Libretto: Dale Wasserman
Musik: Mitch Leigh
Songtexte: Joe Darion
Übersetzung: Jan Schneider, Jaroslav Hach
Songtext zum Kleiner Fink, Kleiner Fink (Ptáčku můj…):
Ester Brožová
Regie / Dramaturgie: Libuše Hájková, Lukáš Horáček
Szene / Kostüme: Zuzana Kostincová
Dirigent: Dalibor Tuž
Musikalische Einstudierung: Zuzana Kubelková, Marie Nová, Dalibor
Tuž
Produktion: Ars iuvenum, Jan Hejral
Technische Unterstützung:
Bühnenmeister: Petr Bohatý
Licht: Ondřej Kyncl
Tonmeister: Jan Hejral, Milan Hejral, Lumír Švec
Die Szene und die Kostüme wurden gemacht von: C + V, spol.
s r. o., Liberec Zakázkové krejčovství Marlenka Liberec
© Ars iuvenum 2007
Lužická 821/8, 460 01 Liberec 1, info@arsiuvenum.cz, Fax: +420 482 718 160